top of page

Sprach-Kitas und Bildungsgerechtigkeit

Sabine Knuhr (4. von links) auf der Veranstaltung der AfB im Karl-Bröger-Zentrum
Sabine Knuhr (4. von links) auf der Veranstaltung der AfB im Karl-Bröger-Zentrum

Unter dieser Überschrift fand die Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB), am 3. Mai im Karl-Bröger-Zentrum statt. Moderiert wurde sie von Sabine Knuhr. Die Fachberaterin für Sprach-Kitas, Gabriele Gehle und die zusätzliche Fachkraft für Sprach-Kitas, Vera Liekefedt, haben uns sehr anschaulich sowohl die Praxis als auch die konzeptionellen Vorgaben einer Sprach-Kita vorgestellt.

„Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist” , so heißt das Programm des Bundesfamilienministeriums, das 2016 ins Leben gerufen wurde und insbesondere Kindern aus bildungsbenachteiligten Familien sowie aus Familien mit Migrationshintergrund zugutekommt.

Basierend auf der Tatsache, dass eine gute Sprachkompetenz die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiche Bildungswege und eine gelungene Integration und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bedeutet, wurde dieses Programm konzeptionell auf vier inhaltlichen Säulen aufgebaut. Diese haben die beiden Referentinnen uns sehr anschaulich dargestellt:

Alltagsintegrierte Sprachbildung: beinhaltet einen sprachanregenden Alltag mit entsprechender Umgebung und Materialien, einen wechselseitigen Dialog zwischen Kind und pädagogischem Personal, eine Interaktionsqualität. Kinder stehen hier mit ihren Kompetenzen, ihrer Lebenswelt im Mittelpunkt und lernen die Sprache in viel- fältigen und anregenden Situationen


Inklusion: Setzt auf Individualität und Vielfalt, auf vorurteilsfreie Lernumgebung und pädagogische Haltung mit dem Ziel der Partizipation aller Kinder.

Zusammenarbeit mit den Familien: Durch umfassende Information und höchste Transparenz, durch Bildungs- und Erziehungspartnerschaften.

Medienpädagogik: Medienkompetenz durch vielfältige Einsatzmöglichkeiten stärken.


Nicht selten geht es bei Programmen und Projekten um Fragen der Finanzierung, der Zuständigkeiten und der Rahmenbedingungen, die als Stolpersteine für Planungsunsicherheit und Unmut sorgen können. Auch dazu erhielten wir einen Einblick:

Das Bundesfamilienministerium hat die Sprach-Kitas 2016 als ein Förderprogramm initiiert, finanziell gefördert und zeitlich bis zum Jahresende 2022 begrenzt, mit der kla- ren Empfehlung darüber hinaus von den Ländern übernommen zu werden. Auf öf- fentlichen Druck hin wurde das Programm um sechs Monate bis zum 30. Juni 2023 ver- längert. Das bayerische Sozialministerium hat mit einer Zusage lange gezögert, was dazu geführt hat, dass viele ausgebildete Sprachberater*innen aufgrund der fehlen- den Perspektive ihre Stellen bereits zum Jah- resende 2022 verlassen haben. Die Petition “Langfristige Fortführung der Sprach-Kita in Bayern” wurde im Januar 2023 von engagier- ten pädagogischen Fachkräften mit 11.338 Unterschriften an den Sozialausschuss des bayerischen Landtages übergeben. Im Herbst davor gab es bereits einen Dringlichkeitsan- trag der SPD-Fraktion im bayerischen Land- tag für die Übernahme der Sprach-Kitas.

Aktuell spricht sich das Sozialministerium für eine Überführung der Sprach-Kitas bis Ende 2024 aus, jedoch ohne eine sichere und .verbindliche Zusage und mit finanzielle Kürzungen, ohne Nachbesetzung von vakanten Sprachberater*innenstellen und ohne Aufnahme von neuen Kitas.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde sehr schnell deutlich, dass Sprach-Kitas als pädagogisches Konzept weitergeführt werden sollte. Das Konzept wurde wissenschaftlich von der Universität Bamberg (Lehrstuhl für Elementar- und Familienpädagogik und Arbeitsbereich Frühkindliche Bildung und Erziehung) evaluiert und als erfolgreich und nachhaltig bewertet – eine Seltenheit bei Studien zum Bildungserfolg. Wir haben uns im Laufe der Diskussion des- halb auch dafür ausgesprochen, alle Kitas zu Sprach-Kitas zu überführen. Schließlich ist die Sprachförderung als eine Aufgabe im BayKiBiG (Bayerisches Gesetz zur Bildung, Er- ziehung und Betreuung von Kindern in Kin- dertageseinrichtungen) verankert. Wir sind der Meinung, dass im Sinne der Chancen- gleichheit alle Kinder in allen Kitas davon profitieren sollten! Ein weiteres Ergebnis unseres Austausches lautete: Sprachsensibilität. Methoden und Inhalte der Sprachförde- rung im frühkindlichen Bereich müssen einen höheren Stellenwert in der Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte bekommen. Eine Sprachförderung gilt es von Anfang an zu integrieren und fachlich zu vertiefen.

Planungssicherheit der Einrichtungen, Wertschätzung der pädagogischen Fachkräfte, Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit in Kitas werden leider aktuell nur halbherzig umgesetzt. Kitas sind Bildungseinrichtungen keine Kinderaufbewahrungsstätten. Als solche sollten sie auch behandelt werden! Doch die Zukunft der Sprach-Kitas ist noch lange nicht sicher.

Sabine Knuhr.png

Hi, danke fürs Vorbeischauen!

Hier lesen Sie regelmäßig über meine poltischen Forderungen und Motivation.

bottom of page